Ich bin nicht beweglich genug für Yoga –
Zeit, mit typischen Yoga-Vorurteilen aufzuräumen

„Ich bin nicht beweglich genug für Yoga.“ Diesen Satz höre ich immer wieder.

Und ehrlich gesagt begegnet mir kaum ein Vorurteil häufiger als dieses.

Viele Menschen verbinden Yoga vor allem mit extremer Beweglichkeit, komplizierten Haltungen oder akrobatisch wirkenden Übungen. Andere denken, Yoga sei nur etwas für Frauen, nur reine Entspannung oder einfach nur Dehnen.

Doch genau hier beginnen die größten Missverständnisse. Yoga ist so viel mehr.

Yoga ist weit mehr als reine Bewegung

Wenn wir an Yoga denken, haben viele zuerst Bilder von Asanas im Kopf, also von körperlichen Übungen auf der Matte. Dabei ist das nur ein Teil des Yoga.

Yoga umfasst ebenso:

  • bewusste Atmung
  • Achtsamkeit
  • Meditation
  • Konzentration
  • Entspannung
  • das bewusste Zurückziehen der Sinne
  • und vor allem das Ankommen bei sich selbst

 

Es geht nicht darum, besonders beweglich zu sein oder eine Haltung perfekt auszuführen.

Es geht vielmehr darum, in Verbindung mit dir selbst zu kommen.

Mein persönlicher Blick auf Yoga auf dem Stuhl

Im Juni drehte sich in meiner weiterführenden Yogatherapie-Ausbildung alles um das Thema „Menschen in besonderen Umständen“.

Ein Teil dieses Moduls war unter anderem Yoga auf dem Stuhl. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich vor diesem Modul selbst kaum Berührungspunkte mit diesem Thema.

Ich habe Yoga auf dem Stuhl lange vor allem mit älteren Menschen assoziiert und zunächst gedacht:
Das ist vermutlich eher nichts für mich. Heute sehe ich das ganz anders.

Eine Aufgabe, die mich überrascht hat

Die Abschlussaufgabe des Moduls bestand darin, eine Yoga-Einheit auf dem Stuhl für Menschen ab 60 Jahren zu konzipieren und praktisch anzuleiten.

Ich war anfangs selbst gespannt, wie sich das für mich anfühlen würde. Und was soll ich sagen?

Ich hätte nicht erwartet, wie viel Freude mir diese Aufgabe machen würde.

Die Vorbereitung, das bewusste Anpassen der Übungen und das Entwickeln einer passenden Einheit haben mir unglaublich viel Spaß gemacht.

Noch schöner war die praktische Umsetzung.

„Das ist Yoga?“

Ich habe zwei Teilnehmende gefunden, die bereit waren, die Einheit gemeinsam mit mir auszuprobieren. Beide waren anfangs eher skeptisch.

Yoga?

Eher nichts für sie.

Zu unbeweglich.
Nicht flexibel genug.
Keine Erfahrung.

Genau diese Aussagen höre ich immer wieder.

Umso schöner war es zu beobachten, wie sich ihre Haltung im Verlauf der Einheit verändert hat. Am Ende kam sinngemäß die Rückmeldung: „Das ist Yoga? Das hätten wir so gar nicht erwartet.“

Und genau dieser Moment ist mir besonders in Erinnerung geblieben.

Yoga darf individuell sein

Diese Erfahrung hat mir einmal mehr gezeigt, wie viele Vorurteile rund um Yoga noch existieren. Yoga muss nicht immer auf der Matte stattfinden. Yoga muss nicht perfekt aussehen. Und Yoga muss sich nicht an starre Vorstellungen anpassen.

Viel wichtiger ist die Frage: Was braucht der Mensch gerade?

Mehr Mobilisation?
Mehr Stabilität?
Mehr Ruhe?
Mehr Atembewusstsein?
Mehr Verbindung zu sich selbst?

Yoga darf individuell sein. Es darf angepasst werden, an den Körper, an die Lebensphase und an die persönlichen Bedürfnisse.

Zeit, alte Vorstellungen loszulassen

Für mich zeigt genau das immer wieder, wie vielseitig Yoga wirklich ist.

Yoga ist weder nur Dehnung noch reine Entspannung.
Yoga ist nicht nur etwas für Frauen.
Und Yoga setzt auch keine besondere Beweglichkeit voraus.

Yoga kann kraftvoll sein.
Sanft.
Dynamisch.
Ruhig.
Fordernd oder ausgleichend.

Vor allem aber darf Yoga individuell sein. Und genau das macht Yoga für mich so wertvoll. Denn jeder Mensch bringt andere Voraussetzungen, Erfahrungen und Bedürfnisse mit. Genau dieser Ansatz prägt auch meine Arbeit bei Roots & Flow Yoga.

Mir ist es wichtig, Yoga achtsam und individuell an den Menschen anzupassen: An den Körper, die Lebenssituation und das, was gerade gebraucht wird.

Denn oft beginnt Yoga nicht in der perfekten Haltung, sondern in dem Moment, in dem wir uns bewusst Zeit für uns selbst nehmen. 💚

Von Herzen,
Sandy

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